NGZ: Frau Baum, nach der Wahl ist es ruhig um Sie geworden. Haben Sie sich nach den anstrengenden Wochen bewusst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen?

Baum: Nach sieben Monaten Wahlkampf kann man einmal eine Pause machen, außerdem beginnt der Job erst am 1. November und auch für mich gibt es noch persönliche Sachen zu regeln. Zum Beispiel die Einrichtung der neuen Wohnung meiner Eltern, die nach Büttgen ziehen, aber auch die endgültige Beendigung meines ehemaligen Jobs. 

NGZ: Wie voll ist Ihr Terminkalender in Ihrer ersten Woche?

Baum: Mir ist gesagt worden, er ist voll, aber ich habe keinen Zugriff auf den Kalender – eine sehr witzige Situation. Alle, die bei mir privat um einen Termin gebeten haben, habe ich an das Bürgermeisterbüro verwiesen, weil sonst die Kalender durcheinanderkommen. Einige Termine, wie z.B. den mit dem Betriebsrat direkt am ersten Tag, habe ich sehr bewusst herbeigeführt. Meine neuen Kolleg/innen sind mir sehr wichtig. Am 5. November ist zudem die erste Ratssitzung, die ich als neue Bürgermeisterin leite und in welcher sich der neue Rat konstituiert. 

NGZ: Was ist Ihr erster offizieller Termin als Bürgermeisterin?

Baum: Theoretisch die Verbandsversammlung der ITK am 2. November um 9.30 Uhr – ein sehr unglücklicher Termin für die beiden neuen Bürgermeister des Kreises, die an diesem Tag Dienstbeginn haben. Mir eigentlich unverständlich, einen solchen Termin wissentlich dorthin zu legen. Da freut man sich direkt auf eine gute Zusammenarbeit. 

NGZ: Viel Zeit, sich in dem neuen Amt zu akklimatisieren, bleibt Ihnen allerdings nicht, Sie sind sogar gleich als Krisenmanagerin gefragt. Wie beurteilen Sie die aktuelle Corona-Lage im Rhein-Kreis?

Baum: Krisen kann ich – da laufe ich zur Höchstform auf. Wenn man die Zahlen für Kaarst (und den Kreis) sieht, geht es uns eigentlich noch gut und wenn sich alle einfach einmal an die AHA-Regeln halten und dies als absolut geringen Preis ihrer Freiheit ansehen, dann finden wir gemeinsam Wege, diese Corona Krise durchzustehen. Wichtig ist neben unseren Schulen auch unsere Wirtschaft. Wir wollen ja alle nicht nach Corona in einer Welt ohne Restaurants und Geschäfte leben. Ein Anliegen ist mir da noch die S8, die nach wie vor teilweise ausfällt oder nur mit einem Wagen fährt, in dem alle zusammengequetscht sind und die Abstandsregel nicht einzuhalten ist. 

NGZ: Gibt es Corona-Maßnahmen, die Sie jetzt schon (im Hintergrund) abstimmen müssen, oder liegt alles noch in der Hand von Frau Nienhaus und dem Kreis?

Baum: Noch liegt alles in der Hand von Frau Dr. Nienhaus und dem Kreis, aber ich habe mich schon intensiv mit dem Thema Schule auseinandergesetzt. Die Maskenpflicht halte ich für die richtige Entscheidung, und sollten wir Lüftungsgeräte anschaffen müssen, die nicht über den Bund oder das Land finanziert werden, dann kostet das halt einmal Geld. Es sind unsere Kinder, und die brauchen Präsenzunterricht für ihre sozialen Kontakte, und auch, um teilweise sich einfach in einer geschützten Umgebung zu befinden. Häusliche Gewalt etc. haben einfach leider auch während Corona zugenommen, genauso wie die Vereinsamung insbesondere älterer Menschen.

NGZ: Halten Sie die vielen Absagen von Kulturveranstaltungen etc. für den richtigen Schritt?

Baum: Die Kaarster Künstler haben zum Beispiel einen eigenen Weg gefunden, um den Menschen Kunst über ihren Film zu überbringen. Einfach toll. Ideen sind in dieser Situation gefragt. Zum Stopp des Kaarster Kulturprogramms kann ich nur sagen, das ist sehr schade, aber ich fürchte, dass es einfach finanziell nicht mehr gepasst hat. Das muss der Stadtrat sich sicher auch noch einmal ansehen und eine Entscheidung treffen, wie er damit umgeht. 

Auf den Sportplatz zum Fussball darf man mit Maske. Die Floorballer haben ihren Außenplatz verlegt und Schwimmen ist auch noch möglich. In anderen Ländern geht gar nichts mehr. Wir sollten alle etwas entspannter mit der Situation umgehen. Solange wir alle gesund bleiben, ist alles in Ordnung. 

NGZ: Sie haben das Thema Digitalisierung in den Schulen zur Chefsache erklärt, wollen dafür auch Andreas Pinkwart ins Boot holen. Ist dieses Vorhaben in Anbetracht der wieder steigenden Zahlen nochmal aktueller geworden?

Baum: Der Minister steht für Hilfe bereit und natürlich werden wir diese als Stadt annehmen, denn wir brauchen WLAN an den Schulen und zwar jetzt und nicht in 10 Jahren. Wenn es dann an dem scheinbar sehr komplizierten Antrag scheitert, dann muss das Ministerium nachbessern bzw. helfen. Egal ob Corona oder nicht, unsere Kinder müssen für eine digitale Arbeitswelt vorbereitet werden. Krisen führen auch zu schnelleren und guten Veränderungen. 

Ich fühle mich gut aufgestellt und freue mich auf meine neue Aufgabe!

Link zum Artikel: https://rp-online.de/nrw/staedte/kaarst/kaarster-buergermeisterin-ursula-baum-bei-krisen-laufe-ich-zur-hoechstform-auf_aid-54136699?fbclid=IwAR0mgdQosLVgDHlz-3VO_QxZCBOC_BtScxkSAAvZeoXd7LPrlY-_N26ZJn4

Foto: NGZ/Anja Tinter

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